Aktives Schadenmanagement 2017

„Kfz-Versicherer: Schadenmarkt im Umbruch“

in ColorNews
vom 22.11.2017
„Natürlich zog sich die Digitalisierung wie ein Roter Faden durch den gesamten Schadenkongress in Köln. Für die Versicherungswirtschaft nahm Dr. Martin Weldi Leiter Kraftfahrt Schaden, HDI Versicherung Stellung: „Digitale Prozesse werden unsere Branche tiefgreifend verändern.“ Gleichzeitig stellte er jedoch auch klar: „Im Schadenfall will der Autofahrer zuerst den persönlichen Kontakt mit der Versicherung, danach können Prozesse digital ablaufen. Digitale Schadenkommunikation und Schadenkalkulation bei der HDI Versicherung 22.000 Schäden hat HDI (Talanx) seit 2016 über ihre Schaden-App abgewickelt. Das entspricht etwa zehn Prozent des gesamten Schadenvolumens in einem Jahr. Seine Einschätzung: „Wir wollen die Nutzungszahlen weiter ausbauen, erwarten aber nicht, dass die Anzahl der Nutzer kurzfristig durch die Decke geht.“ Dr. Martin Weldi stellte in Köln auch die digitale Live-Schadenbewertung zur Kalkulation der Schadenhöhe vor. Das Ziel sei „ein fallabschließendes Angebot im Ersttelefonat mit dem Versicherungsnehmer.“ Im Klartext: die schnelle Erstellung eines konkreten Angebotes für die fiktive Abrechnung. Wie entwickelt sich die Fahrzeugtechnik? Welche Auswirkungen die Fahrzeugentwicklung auf Schadensteuerung und Schadenkosten hat, erläuterte Gerald-Alexander Beese vom Kraftfahrzeugtechnischen Institut (KTI). „Gerade die Reparatur an modernen Fahrzeugen wird immer komplexer.“ Schadenbilder ändern sich, die Mischbauweise erfordert verschiedenste Reparaturwege und die Ersatzteilkosten steigen stetig. Beispiel Autoglas: „Beim Glasschaden sind die Frontscheibenpreise zwischen 29 und 73 Prozent in die Höhe geschnellt. Auch der Aufwand für den Einbau steigt – auf bis zu 34 Prozent mehr“, heißt es in einer Untersuchung des KTI. Welche Auswirkungen der Verbau moderner Sensorik für die fachgerechte Reparatur bedeutet erklärte Gerald-Alexander Beese anhand verschiedenster Schadenfälle. 80 Prozent der Unfälle ereignen sich bei einer Geschwindigkeit von weniger als 10 km/h. „Schon bei einer Beschädigung der unteren Querträger ist die Kalibrierung des Radar-Sensors notwendig. Der Schadenaufwand liegt hier laut unserer Untersuchung bei etwa 1.500 Euro.“ Was wird künftig für die Werkstatt wichtig? Das KTI hat vier Felder definiert, worauf es in Zukunft ankommt. 1. Know-how und Ausbildung, 2. Kenntnis der fahrzeugspezifischen Herstellervorgaben, 3. moderne Werkstattausrüstung, 4. Material und Ersatzteile. „Reparieren statt tauschen“ wird wichtiger Vor dem Hintergrund rasant steigender Ersatzteilpreise bekommt die Instandsetzung der Karosserieaußenhaut neue Dynamik. Wolfgang Schüssler (Carbon GmbH) hat in Köln das Bewusstsein der Schaden-Chefs dafür geschärft. „In den nächsten fünf Jahren wird sich beim Automobilbau durch Leichtbauweise an der Karosserie mehr ändern als in den letzten 100 Jahren“, erklärte er vor den Kfz-Versicherern und erläuterte die Anwendung des Miracle-Systems bei der Reparatur. „Oft sind die Vorgabezeiten der Hersteller unrealistisch. Der Austausch von Ersatzteilen kostet den Kfz-Versicherer zudem erheblich mehr als die Instandsetzung der Karosserieaußenhaut.“ Eine Meinung, die auch Matthew Whittall von Innovation Group in Köln vertrat. Er zeigte den Teilnehmern zwei Schadenkalkulationen: Wird der gleiche Unfallschaden durch Instandsetzung fachgerecht repariert liegen die Reparaturkosten bei etwa 2.200 Euro, bei der Verwendung von Ersatzteilen stehen auf der Schadenkalkulation mehr als 4.000 Euro. Kostentreiber Ersatzteile Der Vorstandsvorsitzende von Innovation Group bezeichnete die steigenden Ersatzteilpreise als wesentlichen Kostentreiber für den Schadenmanager. Matthew Whittall nannte Zahlen: 3,3 Prozent Teuerungsrate pro Jahr ständen einer Steuerung von lediglich 0,5 Prozent bei Lack- oder Karosserielohn gegenüber. Matthew Whittall: „Wir unterstützen deshalb besonders die Betriebe, die sich intensiv mit der Instandsetzung der Karosserieaußenhaut beschäftigen.“ Wie positioniert sich Innovation Group? Für den Schadenmanager aus Stuttgart stellt sich jedoch vor allem die Frage, wie Innovation Group die Versicherer mit in das digitale Zeitalter nehmen kann. „Ab März 2018 kommt eCall“, betonte der Vorstandsvorsitzende. „Es wird nicht lange dauern, dann wird es nicht nur um Notfälle sondern auch um die Steuerung von Schadenfällen über diese Technologie gehen.“ 50 Prozent aller Fahrzeuge in Deutschland werden dann in der Lage sein ihren eigenen Schaden zu melden, schätzt Innovation Group. Die Stuttgarter wollen eine digitale Aufholjagt starten. „In Großbritannien läuft bereits unsere vollständige digitale Kommunikation mit Versicherungsnehmern, die an den wichtigsten Punkten des Schadenprozesses eine Applikation nutzen.“ So sind bisher 36.000 Unfallschäden reguliert worden. Auch das Reparatur-Tracking sprach Matthew Whittall an. „Die Schadenmeldung und der Prozess wird digitalisiert, keine Frage. Allerdings muss man immer bedenken, dass die Daten eingegeben oder erfasst werden müssen. Daher muss die Eingabe so gestaltet sein, dass die Werkstätten auch damit umgehen können.“ BVdP stellt erstmals QualiCheck vor Auch die Werkstattwelt wird digital, davon zeigte sich BVdP-Geschäftsführer Robert Paintinger überzeugt. Der Bundesverband erweitert sein Konzept QualiCar zur Prozessoptimierung in der Schadensteuerung nun um QualiCheck. „QualiCheck ist ein durchgängig digitalisierter Prozess an den sich Schadensteuerer und Versicherer anbinden können.“ In dem Prozess ist ein Check des Kostenvoranschlages integriert, der durch den Leipziger Prüfdienstleister ClaimsControlling geprüft wird. „Unser Ziel: Der Steuerer erhält nur noch den Kostenvoranschlag mit einem Siegel. So wollen wir den Großteil der heutigen Prozess-Störungen beseitigen.“ Die Werkstatt kann sich mit QualiCheck durch Vergleich der eigenen Daten zudem mit anderen Betrieben kontinuierlich verbessern. Für Versicherer bedeutet das aus Sicht des BVdP: Schnellere Abwicklung des Reparaturauftrages, nur noch stichprobenartige KV-Prüfung, schlankere und digitalisierte Prozesse sowie die sichere Wahl des wirtschaftlichen Reparaturweges. Darüber hinaus geht der Bundesverband im kommenden Jahr mit dem Aufbau einer digitalen Kommunikation mit Autofahrern an den Start. M.o.r.e. – Mein optimales Reparatur Erlebnis soll das Produkt heißen. Ziel ist hier die Erhöhung der Attraktivität von QualiCar Betrieben für Entscheider über den Ort der Unfallreparatur. „Wir halten die Reparaturkapazitäten vor, die Sie als Versicherer benötigen“ Dass die Digitalisierung auch für mehr unbezahlte Arbeit in den Werkstätten sorgt, thematisierte ZKF-Präsident Peter Börner. „Die durchschnittliche Anzahl der Mitarbeiter ist laut unseres Branchenberichtes in den vergangenen Jahren von 13 auf 15 gestiegen. Dabei blieb die Anzahl der produktiven Beschäftigten gleich hoch, die Steigerung kommt durch unproduktive Mitarbeiter zustande.“ Fazit: In Karosserie- und Lackierbetrieben fällt immer administrativer Aufwand an. „Dieser Mehraufwand muss zu höheren Stundenverrechnungssätzen führen“, lautete die Forderung von Peter Börner und fügte hinzu: „Im Rahmen der Digitalisierung wurden viele Änderungen mit unseren Werkstätten nicht besprochen, viele Lösungen passen gar nicht in die Systemlandschaft der Betriebe.“ Der ZKF-Präsident schilderte zudem die Herausforderungen der K&L-Betreibe. Fachkräftemangel, Nachfolgeprobleme sowie die absehbar stetig steigenden Löhne für qualifizierte Mitarbeit und Ausbildungsvergütungen – die Situation sei alarmierend. Peter Börner: „Wir brauchen als Betriebe das Geld, um weiterhin die Reparaturkapazitäten zu bieten, die Sie als Versicherer benötigen. Keine Rechnungskürzungen, sondern eine Anpassung der Stundensätze.“
Artikel anzeigen

Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus 2017

„Mehr Power für die Flottenversicherung“,

in Versicherungsjournal
vom 20.02.2017
„Das Flottengeschäft ist die Zukunft der Mobilität“, glaubt Harald Seliger, Leiter Kraftfahrt Vertrag bei der R+V Allgemeinen Versicherung AG. Diese zentrale Aussage wurde auf eine Fachveranstaltung in Köln von vielen Experten geteilt. Es würde künftig immer weniger Menschen geben, die ihr Fahrzeug selbst versicherten, weil sie ein Car-Sharing-Unternehmen nutzen würden. Gleichzeitig würde eine vernetzte Technik Fahrzeuge deutlich sicherer machen und beispielsweise das gekoppelte und sichere Kolonnenfahren auf der Autobahn ermöglichen. Die Versicherung von Fuhrparks war eines der Themen auf der BF21-Jahrestagung Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus letzte Woche in Köln. Nach Einschätzung von Dr. Johannes-Jörg Rüger, President Sales and Systems Engineering Commercial Vehicle an Offroad Business bei der Robert Bosch GmbH könnten Assistenzsysteme im Auto 90 Prozent der menschlichen Fehler vermeiden. Das sei oft auch wirtschaftlich sinnvoll. So könnten durch ein automatisches Fahren im Konvoi die Unternehmen rund zehn Prozent Treibstoff sparen. Zudem würde die Zeit während des „Platoonings“ nicht mehr als Arbeitszeit angerechnet. Damit würde sich die Arbeitszeit der Fahrer verlängern. „Was im Nutzfahrzeuggeschäft Geld bringt, wird gemacht“, so Rüger. (...) Mobilitätsguthaben statt eigenes Auto Das eigene Auto könnte künftig durch ein Guthaben für Mobilität ersetzt werden. Statt besitzen, heißt die neue Zauberformel: Nutzen, wenn nötig. Eine solche Vision stellte Philip Kneissler, Geschäftsführer der Belmoto GmbH, vor. „Vor allem Firmen können ihren Mitarbeitern künftig ein Konto für beispielsweise 800 Euro einrichten, das beliebig im eigenen Carpool, für Flüge oder Urlaub eingesetzt werden kann“, erläuterte Kneissler. Damit gäbe es für die Mitarbeiter eine deutlich höhere Flexibilität und die Dienstwagenflotte könnte deutlich reduziert und effektiver genutzt werden. (...) Car-Pooling einfach Auch beim klassischen Flottenverwalter, dem Fuhrparkleiter, gebe es wenig Akzeptanz für visionäre Ideen. Ganz anders sähe es aus, wenn der Personalleiter angesprochen werde. Kneissler: „Der sieht die Perspektive darin, neuen Mitarbeitern attraktive Sozialleistungen zu bieten, um sie möglichst eng an die Firma zu binden.“ Daher seien solche neuen Mobilitätsideen vor allem für Unternehmen interessant, die im harten Wettbewerb um hochqualifizierte Kräfte stehen und eine hohe Fluktuation verzeichnen. Car-Pooling sei über App und Kreditkarte leicht anwendbar. Mitarbeiter könnten mit einem Bonusmodell zum neuen Mobilitätsystem motiviert werden. (...) Deutlich mehr Flottenverträge Das zeigt sich auch daran, dass das Flottengeschäft boomt. Im vergangen Jahr stieg die Zahl der Flottenversicherungs-Verträge um 3,5 Prozent auf 4,8 Millionen, während der gesamte Kfz-Markt nur ein Vertragsplus von 2,1 Prozent verzeichnen konnte. Auch die Prämieneinnahmen von 3,4 Milliarden Euro stiegen mit 3,5 Prozent um einen Prozentpunkt besser als im Kfz-Gesamtmarkt. Trotzdem sind die Flottenversicherer nicht zufrieden. „Unsere Schadenkosten-Quote ist nach wie vor miserabel“, sagte Thomas Winkler, Chief Underwriter Kraftfahrt bei der Gothaer Allgemeine Versicherung AG. Aktuell liegt die Combined Ratio bei 106 Prozent. Damit erreichen viele Anbieter keine schwarzen Zahlen. ... Prämienqualität steigt Derzeit steige die „Prämienqualität deutlich. Es gibt also immer mehr Kfz-Flotten, die nach Einschätzung der Assekuranzen Gewinn abwerfen. Ein Grund sei wie im privaten Kfz-Markt eine sinkende Schadenhäufigkeit. Damit verlaufen laut Seliger mittlerweile wieder 50 Prozent aller Flotten „gut“. Dieser Wert war aber auch schon 2014 erreicht worden. Im Umkehrschluss sind aber immer noch rund die Hälfte aller Flotten defizitär. Probleme bereitet den deutschen Flottenversicherungen vor allem die Tarifierung der Risiken. Sie basiert weiterhin im Wesentlichen auf den Daten der einzelnen Flotte. „Wir schauen drei bis fünf Jahr in die Vergangenheit und versuchen dann, durch unser Erfahrungswissen die richtige Prämie zu ermitteln“, sagte Experte Winkler. Doch Flotten seien nicht statisch. Fahrer, Fahrzeuge und Einsatzzwecke seien einem starken Wechsel unterworfen. Durch Selbsttragungsmodelle fallen ganze Schadenarten weg Schwierigkeiten bereitet den Versicherern zudem der Trend zu sogenannten Selbsttragungsmodellen. Übernimmt der Kunde durch eine hohe Selbstbeteiligung einen Teil des Risikos, würden ganze Schadenarten, wie Glasschäden, plötzlich wegfallen und könnten nicht mehr für die Kalkulation genutzt werden. Erfolgreich sind laut Seliger Modelle, bei denen Unfälle, ähnlich wie ein Schadenfreiheits-Rabattsystem in der privaten Kfz-Versicherung, über einen Malus und eine Prämienerhöhung direkt an den Mitarbeiter weitergereicht werden. „Wir verhandeln über einen Preis, wissen aber nicht, welche Prämie risikotechnisch die richtige wäre.“, Thomas Winkler, Gothaer Allgemeine Versicherung AG Flottentarif gefordert Als ein Grund für unzureichende Preise wird genannt, dass es für das Flottengeschäft bis heute keinen von der Branche kalkulierten Tarif gibt. Diesen forderte Winkler nun ganz ausdrücklich. „Wir verhandeln über einen Preis, wissen aber nicht, welche Prämie risikotechnisch die richtige wäre“, so Winkler. „Pro Jahr müssten wir bei jeder Flotte zwei bis drei Prozent als laufende Kostenerhöhung mitnehmen können“, erläuterte Seliger. In der Praxis wird eine solche Regelung aber bisher nicht akzeptiert. Mit einem vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) auf Basis spezieller Flottenrisikofaktoren kalkulierten Tarif, würde das Geschäft für Versicherungen und Vermittler deutlich einfacher. Das bestätigen viele der vor Ort befindlichen Versicherungsmakler. Allgemein herrscht jedoch eine große Skepsis, ob der GDV sich dem kostenaufwändigen Projekt Flottentarifkalkulation stellen will. Vielleicht wird ein solcher Tarif erst Realität, wenn tatsächlich, wie von vielen Experten vermutet, das Flottengeschäft dem Privatgeschäft den Rang abgelaufen hat.“
Artikel anzeigen

„Kfz-Versicherer können allein nicht bestehen“

in Herbert Frommes Versicherungsmonitor
vom 17.02.2017
„Die Automatisierung von Autos schreitet immer schneller voran. Kfz-Versicherer müssen verstärkt mit Herstellern und Händlern kooperieren, um weiterhin am Markt bestehen zu können. Davon sind Vertreter der Volkswagen Autoversicherung und der Mercedes-Benz Versicherung überzeugt. Nur so könnten Unternehmen die Kundenschnittstelle besetzen und ihre eigene Marke stärken. Edgar Puls von HDI Global geht davon aus, dass die Digitalisierung von Fahrzeugen der Assekuranz auch Chancen über die Kfz-Versicherung hinaus bietet. (...) Dem Kunden kommt es nicht mehr auf das eigene Auto an, sondern auf die Mobilität, sagte Michael Hoffmann, Chef der Mercedes-Benz Versicherung, dem Garantieversicherer von Daimler, auf der Kfz-Konferenz von Businessforum21 in Köln. In zehn Jahren wird die Marke Uber mehr wert sein als Mercedes-Benz. Davon ist er überzeugt. Auf diese Veränderung müssten sich auch Versicherer einstellen. Sie sollten auf Kooperationen mit Autoherstellern setzen. Hoffmann sieht dabei den größten Vorteil in den Informationen über Fahrzeuge und Kunden. „Die Daten sind ein großer Vorteil beim Pricing“, sagte er. (...) Hoffmann geht davon aus, dass es nur noch drei bis fünf Jahre dauern wird, bis vollautomatisierte Autos auf den Straßen fahren. „Das sind schlechte Nachrichten für Versicherer, denn das wird auf eine Produkthaftung hinauslaufen.“ Umso mehr müssten Versicherer sich auf Hersteller und Händler als Kunden konzentrieren, sagte er. Doppelbranding ist entscheidender Vorteil. Roman Blaser, Vorstandsvorsitzender der Volkswagen Autoversicherung, ist davon überzeugt, dass Kfz-Versicherer verstärkt mit Herstellern kooperieren müssen, um überhaupt etwas vom schrumpfenden Kfz-Markt abzubekommen. Die Volkswagen Autoversicherung ist ein Joint Venture von VW und Allianz und setzt vor allem auf sogenannte Business-to-Business-to-Consumer-Kooperationen, bei denen VW-Händler die Kfz-Policen verkaufen. Rund 96 Prozent des Umsatzes von Volkswagen Autoversicherung kommt durch den Verkauf in Autohäusern. „Durch die Zusammenarbeit können Versicherer die Kundenschnittstelle besser besetzen und damit die Kundenbindung erhöhen“, sagte Blaser. Als weiteren Vorteil einer solchen Kooperation sieht er die Stärkung der eigenen Marke durch das Doppelbranding. (...) Volkswagen Autoversicherung geht sogar so weit, seinen Internetvertrieb an den Händlervertrieb anzupassen, um diese Wechselwirkung weiter zu nutzen. (...) Jürgen Weber, Partner beim Porsche-Tochterunternehmen MHP, glaubt, dass der Mobilitätswunsch der Kunden sogar über die Autoindustrie hinausgehen wird. „Wir werden uns weg vom eigenen Auto bewegen und hin zum E-Bike“, prognostizierte er. Diese Entwicklung wird vor allem in den Städten zu beobachten sein, so Weber. „Denn auch mit einem autonom fahrenden Auto stehe ich im Stau, aber nicht mit einem Fahrrad.“ Für die Versicherungsbranche bedeutet das die Entwicklung weg von fahrzeugbasierten Policen und hinzu personenbasierten Policen. (...) Edgar Puls, Mitglied des Vorstandes HDI Global, sieht in der Digitalisierung der Fahrzeuge auch neue Geschäftsfelder. „Für uns als Versicherer ist es nicht nur eine Pflicht, Produkte zu entwickeln, die den Bedürfnissen der Kunden entsprechen, sondern auch eine Chance“, sagte er. Dabei bezog er sich besonders auf Cyberrisiken, die durch solche Systeme auch im Kfz-Bereich entstehen. Verschiedene Hackerangriffe in Autos in den USA und auch Deutschland hätten gezeigt, dass hier Bedarf für Policen besteht.“
Artikel anzeigen

Zitat des Tages:

in Herbert Frommes Versicherungsmonitor
vom 17.02.2017
„Wir sind kein Versicherer, der anderen Versicherern Konkurrenz machen will. Wir wollen nur die Daten haben.“, zitiert Herbert Frommes Versicherungsmonitor am 17.02.2017. „Für Michael Hoffmann, Vorstandsvorsitzender der Mercedes-Benz Versicherung, ist die Kooperation mit Autoherstellern vor allem ein Weg, um an Fahrzeug- und Kundendaten heranzukommen.“
Artikel anzeigen

„Der Flottenversicherung gehört die Zukunft“

in Herbert Frommes Versicherungsmonitor
vom 17.02.2017
„Fahrerassistenzsysteme und neue Mobilitätskonzepte wie Carsharing werden dafür sorgen, dass die Prämieneinnahmen in der Kfz-Versicherer zurückgehen, erwarten Experten. Das gelte allerdings nur für den Privatkundenbereich, die Flottenversicherung werde profitieren, sagte R+V-Experte Harald Seliger auf einer Fachkonferenz in Köln. „Das Flottengeschäft ist die Zukunft der Mobilität“, so Seliger. Allerdings kämpft die Branche immer noch mit versicherungstechnischen Verlusten. Abhilfe könnte ein Flottentarif schaffen, sagte Thomas Winkler von der Gothaer. Flottenversicherer können optimistisch in die Zukunft schauen, glaubt Harald Seliger, Leiter des Flottengeschäfts bei der R+V. Der Trend zu Carsharing und anderen neuen Mobilitätskonzepten spiele ihnen in die Karten. „Das Flottengeschäft ist die Zukunft der Mobilität“, sagte er auf einer Businessforum21-Fachkonferenz in Köln. „Es wird immer weniger Menschen geben, die eigene Fahrzeuge selbst versichern.“ Seliger erwartet, dass die Veränderungen auf Kosten des Privatkundenbereichs in der Kfz-Versicherung gehen werden. „Das wird sich künftig in der Flottenversicherung abspielen.“ Das heißt aber nicht, dass die Flottenversicherer keine Sorgen hätten. Geringere Schäden durch Assistenzsysteme werden dazu führen, dass auch das Prämienniveau sinken wird. Dazu kommt, dass die Flottenversicherer im Schnitt immer noch versicherungstechnische Verluste machen. (...) Thomas Winkler, Chief Underwriter Kraftfahrt bei der Gothaer, brachte einen Kfz-Flottentarif ins Gespräch, den es bislang nicht gibt. „Wenn es den gäbe, wäre das Geschäft profitabler.“ Das sei allerdings nicht einfach zu machen. Denn viele Tarifmerkmale wie Typklassen oder Regionalklassen aus dem Privatkundengeschäft funktionieren nicht in der Flottenversicherung, sagte Winkler. „Auch der Schadenfreiheitsrabatt, der der größte Trigger im Privatkundengeschäft ist, funktioniert nicht für Flotten“, sagte er. (…)“
Artikel anzeigen

Zitat des Tages:

in Herbert Frommes Versicherungsmonitor
vom 15.02.2017
„Ein Rückfall in versicherungstechnisch negative Zeiten scheint unausweichtlich“, zitiert Herbert Frommes Versicherungsmonitor am 15.02.2017. „Marco Morawetz, Head of Consulting beim Rückversicherer Gen Re, verweist auf der Kfz-Versicherungskonferenz von BusinessForum21 auf sinkende Prämien und steigenden Schadenbedarf.“
Artikel anzeigen

„Kfz-Versicherer steuern auf Verlust zu“

in Herbert Frommes Versicherungsmonitor
vom 15.02.2017
„Nach Jahren der Preisdisziplin in der Kfz-Versicherung sind die Prämien im Neugeschäft 2017 nach Analysen des Rückversicherers Gen Re wieder gesunken. Weil gleichzeitig der Schadenbedarf steigt, geht das Unternehmen davon aus, dass der Markt in diesem Jahr wieder einen leichten versicherungstechnischen Verlust verbuchen wird. Konkurrent Hannover Rück ist dagegen optimistischer und rechnet noch mit einem Plus. Die Kfz-Versicherer werden in diesem Jahr zum ersten Mal seit 2014 wieder versicherungstechnische Verluste verbuchen. Davon geht Marco Morawetz aus, Head of Consulting beim Rückversicherer Gen Re. „Ein Rückfall in versicherungstechnisch negative Zeiten scheint unausweichlich“, sagte er auf der alljährlichen Kfz-Versicherungskonferenz von Businessforum21 in Köln. Er rechnet mit einem Minus von einem Prozent. (...) Neben dem Kampf um Profitabilität bereitet den Kfz-Versicherern der Trend zu selbstfahrenden Autos und Carsharing Sorgen. Dadurch wird sich nach Einschätzung von Experten das Prämienvolumen in den kommenden Jahren drastisch reduzieren. Grund zur Panik gibt es laut Morawetz aber noch nicht. „Wir bekommen jedes Jahr 1,3 bis 1,4 Prozent mehr Risiken dazu, egal wie intensiv wir über die Sharing Economy diskutieren“, sagte er. „Wir müssen uns in den nächsten 10 bis 15 Jahren keine Sorgen machen, dass Risiken wegfallen.“ (...)“
Artikel anzeigen

Telematik 2016 - Fahrerassistenzsysteme - Autonomes Fahren - eCall - Connected Car

„Zehn Prozent Marktanteil bei Telematik sind möglich“

in Versicherungswirtschaft
vom 06.10.2016
„Wir werden hier signifikante Marktanteile sehen, auch im Massenmarkt“, sagte Jörg Rheinländer, Generalbevollmächtigter Komposit der Huk-Coburg-Gruppe. Die Huk-Coburg ist seit Anfang dieser Woche mit ihrem ersten, bislang noch auf das Rhein-Main-Gebiet beschränkten Telematik-Tarif unterwegs. Frank Sommerfeld, Vorstandsmitglied der Allianz Versicherung AG, hält es zwar “immer noch verfrüht zu sagen, dass die Telematik im deutschen Markt angekommen ist”, sieht aber erste Schritte. Mit gut 10.000 verkauften Tarifen “Allianz BonusDrive” sind die Münchener bereits Marktführer. Auch Sommerfeld geht davon aus, dass diese Tarife sich künftig nicht ausschließlich auf junge Fahrer fokussieren werden. “Es wird nicht alles prämienrelevant sein”, so Sommerfeld. Die Allianz wie auch die Huk-Coburg räumen jungen Fahrern zehn Prozent Startrabatt sowie weitere 30 Prozent Nachlass bei nachgewiesener umsichtiger Fahrweise ein. Jürgen Cramer, Chef der Sparkassen DirektVersicherung AG, die aus Kostengründen ihr Telematik-Projekt nicht ausgedehnt hatte, nannte die Rabatte “abstrus“. Im Hinblick auf den insgesamt vergleichsweise geringen Durchschnittsbeitrag für Kraftfahrthaftpflicht und Kasko von 440 Euro bei gleichzeitigem Nettorisiko-Schadenbedarf von 330 Euro und den hohen Telematik-Kosten von 120 bis 150 Euro äußerte sich auch Marco Morawetz, Leiter des Consulting der General Reinsurance AG, skeptisch, ob und wie sich Telematik rechnen kann. (...)”
Artikel anzeigen

„Gothaer: „Telematik für Tarifierung ungeeignet“

Herbert Fromme
in Versicherungsmonitor
vom 06.10.2016
- Ist es denn so???!!! „Immer mehr Kfz-Versicherer kommen mit Telematik-Tarifen auf den Markt. Sie sollen die Kunden zu einer vorsichtigeren Fahrweise anhalten und für eine individuellere Bepreisung der Policen sorgen. Thomas Winkler vom Versicherer Gothaer hält Telematik allerdings für ungeeignet für die Tarifierung. Der Erkenntniszugewinn durch die Telematik-Daten sei gering”, sagte er auf der Kfz-Konferenz von Businessforum21 in Köln. „Die meisten Informationen hätten die Versicherer ohnehin schon. Telematik kann sich seiner Ansicht nach aber in anderen Bereichen wie dem Risikomanagement als nützlich erweisen.”, heißt es. „Viele Kfz-Versicherer setzen große Hoffnungen in die Telematik. Die Überwachung des Fahrverhaltens soll unter anderem für eine individuellere Tarifierung sorgen.“, heißt es weiter. Aber: „Der Aufwand und Nutzen der Telematik zur Tarifkalkulation ist wirtschaftlich nicht darstellbar“, so Winkler. „Die Differenz zwischen den vorhandenen Informationen und den nur minimal genaueren Daten der Telematik erlaubten es den Unternehmen nicht, Telematik-Kunden Rabatte zu gewähren. Wenn sie es doch machen, werde das kalkulatorisch zu betriebswirtschaftlichen Verlusten führen, sagte er.“ Und trotzdem: „Telematik ist nicht mehr aufzuhalten!“, gibt auch Winkler zu. Die Allianz ist seit April 2016 mit dem "BonusDrive"-Tarif unterwegs, die Generali baut ihr Telematik--Angebot aus, seit Oktober hat auch HUK-Coburg einen Telematik-Tarif "Smart Driver" im Programm. „Beim Management von Kfz-Flotten sind Telematik-Anwendungen schon weit verbreitet. Unternehmen nutzen die Daten, um ihre Kfz-Flotte bestmöglich zu steuern und Verschleißschäden frühzeitig zu erkennen. (...) Winkler sieht denn auch in anderen Bereichen als der Tarifierung Potenzial für die Telematik. (...)“ „Telematik bietet zudem gute Möglichkeiten für das Risikomanagement, glaubt der Gothaer-Mann. „Wenn sich Versicherer die Daten zunutze machen, ist es möglich, Risiken aufzunehmen, die vorher nicht versicherbar waren.“ „Autonome Fahrzeuge verändern den Markt“ - und sorgen für gravierende Veränderungen in der Kfz-Versicherung. „Martin Weirich von der Westfälischen Provinzial sieht überhaupt keinen Grund, in einen Telematik-Tarif zu investieren. Er ist überzeugt, dass autonome Fahrzeuge schon bald den Markt bestimmen werden.“ „Es lohnt sich nicht, einen Telematik-Tarif aufzubauen, der in drei bis fünf Jahren überholt ist“, sagte er. „Autonomes Fahren wird kommen.“
Artikel anzeigen

„Telematik kann nur erfolgreich sein, wenn der Mehrwert für den Kunden im Fokus steht“,

Monika Lier
in Versicherungsjournal
vom 05.10.2016
„Telematik mache Versicherung erlebbar.“, heißt es weiter. „Mit über 10.000 verkauften Tarifen „Allianz BonusDrive“ ist die erst im April gestartete Allianz in diesem Segment eigenen Angaben zufolge Marktführer. (...) Rund die Hälfte der Allianz-Telematik-Tarife entfalle auf echte Neukunden. Im Durchschnitt kämen sie auf einen Score-Wert von 83 Punkten, der in der Allianz-Tarif-Logik einer Silber-Medaille beziehungsweise einem Rabatt von 20 Prozent entspricht.” Dabei geht auch um die „regelmäßige Interaktion mit dem Kunden, der sich seinen erfahrenen Rabatt zeigen lasse, und zudem gebe es einen Wettbewerbsgedanken (neudeutsch Gamifikation).“
Artikel anzeigen